Früher, wenn ich an Griechenland dachte, dann dachte ich an endlose Sandstrände, tausende von Inseln, 3000 Jahre alte Ruinen, enge Gässchen die sich durch weiss-blaue Häuschen schlängeln und auf jeder Treppenstufe eine Katze, Moussaka & Feta, Olivenhaine und natürlich an Ouzo, welchen man an jeder Ecke angeboten kriegt.

Als wir die Grenze passierten, waren das einzige, das meiner Vorstellung entsprach die Olivenhaine. Ansonsten kriegten wir viele illegale Mülldeponien zu sehen, überteuerten Feta-Käse im Minimarket und aggressive, überdimensionale Wachhunde die Radfahrer NICHT mögen. Tatsächlich wurde Adeline gleich am ersten Tag von ca. 5 Hunden umringt und angebellt, kein so tolles Gefühl.

 Die Hunde verziehen sich zum Glück wieder

Die Hunde verziehen sich zum Glück wieder

Zugegeben, bei Griechenland wars nicht Liebe auf den ersten Blick. Wir mussten einige Zeit hier verbringen, um die schönen Facetten dieses Landes schätzen zu lernen.

Man glaubt es kaum, aber die Griechen haben noch kürzere Ladenöffnungszeiten als die Schweizer. Montags, mittwochs und donnerstags sind die Läden nur bis ca. 14 Uhr geöffnet. Dienstags und freitags öffnen sie abends wieder so ab 17 Uhr. Sonntags herrscht ausser bei den Bäckereien und in Restaurants tote Hose. Hat man einen geregelten Tagesablauf, kann man vielleicht damit umgehen. Doch wir wussten teilweise nicht mal was wir gerade für einen Wochentag haben. Da waren wir halt auch schon gezwungen in Restaurants zu essen, weil wir nichts essbares mehr in unseren Taschen hatten. Bei den Sehenswürdigkeiten ist es auch ziemlich gewöhnungsbedürftig. Vieles schliesst um 15 Uhr. Auch hier kam es vor, dass wir vor verschlossenen Toren standen.

 Montags wartet man vergebens vor den Eingangstüren zu den Ruinen des antiken Korinth

Montags wartet man vergebens vor den Eingangstüren zu den Ruinen des antiken Korinth

Die Route der Küste entlang war sagenhaft. Immer wieder gab es kürzere Anstiege die uns erlaubten, über menschenleere Buchten und prachtvolle Olivenbäume in die Gebirge zu blicken. Hie und da gab es nette Dörfer oder Ruinenstätte, in welchen wir uns noch zu Fuss verausgaben konnten. Wenn wir dann so verträumt bergauf und bergab fuhren, holten uns die kläffenden Hunde wieder zurück in die Realität. Oftmals war das Gebell einfach erschreckend aber der Hund zum Glück hinter Gitter. Es kam aber nicht selten vor, dass einer nicht angebunden war und uns nun als sein neues Spielzeug betrachtete. Viele Strategien gibt es, um die Hunde abzuwimmeln. Erst hatten wir einen Stock dabei. Von diesem trennten wir uns aber, denn wir wollten sie nicht noch aggressiver machen. Steine? Hatten wir auch, obwohl Adelines Treffsicherheit dem eines Toastbrots gleicht und auch sonst vielleicht nicht effektiv genug wäre. Wir sind gut gefahren mit der Strategie «Verlangsamen, absteigen, versuchen langsam daran vorbeizulaufen oder mit Wasser bespritzen». Viele denken sich, dass die streuenden Hunde lästig sind. Dies ist aber nicht der Fall. Die sind einfach teilweise anhänglich und nicht sehr appetitlich anzuschauen. Da sie aber kein Revier zu verteidigen haben, sind sie meistens harmlos. Den Fehler vom Füttern haben wir aber nur ein Mal gemacht. Dies lockt nur weitere Hunde an und endet in einem Hundekampf.

 Diesen Hund haben wir dummerweise gefüttert...

Diesen Hund haben wir dummerweise gefüttert...

Am meisten beeindruckt haben uns wohl die antiken Ruinenstätten. Als wir im antiken Olympia oder in Athen auf der Akropolis standen und die Ruinen sahen, welche fast 3000 Jahre später immer noch zu Teilen stehen. Uns wurde gesagt, dass es in den USA ein exaktes Abbild des Athener Pantheons gibt. Dieses wurde 1897 mit Hilfe von Maschinen gebaut. Die Arbeiten haben länger gedauert als der Bau des Originals. Naja, damals waren zwar die Hilfsmittel begrenzt, doch man hatte Zeit, Geld und Sklaven.

 Das Pantheon auf der Akropolis von Athen

Das Pantheon auf der Akropolis von Athen

Immer wieder fuhren wir an abgebrochene Bauprojekten vorbei. Mal waren es Autobahnen, mal Zugstrecken. Sah alles neu aus aber schon wieder von Unkraut überwachsen. Vielerorts wurden Projekte aufgrund von Geldkürzungen eingestellt. In Athen fiel uns die hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte Wirtschaftslage am meisten auf. Es gibt viele, die auch in den kühlen Winternächten in der Gasse schlafen müssen. Die Arbeitslosenquote der jüngeren Leute zwischen 30 und 40 Jahren liegt bei etwa 35%. Viele halten sich dank dem Ersparten der Eltern über Wasser. Wer es sich leisten kann und eine gute Ausbildung hat, der sucht sich in einem anderen EU-Staat einen Job.

 Angefangenes Stück Strasse

Angefangenes Stück Strasse

Am 29. November erreichen wir Athen. Unser Ziel, welches wir seit dem Nordkap vor Augen haben. Wir haben Glück, das Wetter macht mit und wir finden einen Hügel, von welchem wir eine tolle Aussicht auf die Akropolis haben. Einige Tage verbringen wir da, bevor wir auf die Insel Evia fahren, in die Ferienunterkunft von James. Wir haben uns entschlossen, ein paar Tage fix an einem Ort zu bleiben. Dort war für einmal wieder unsere verkümmerte Oberkörpermuskulatur gefragt. Wir halfen James im Garten sowie beim Malen und anderer kleineren Hausarbeiten. 

 Chrampfe, büetze, bügle...chli Stoub uf dr Lunge u so

Chrampfe, büetze, bügle...chli Stoub uf dr Lunge u so

Netterweise hat er angeboten, dass wir unsere Räder bei ihm lassen können. Zwar hat er sich oft über das Eigengewicht dieser lustig gemacht und gemeint, dass diese wohl niemand stehlen würde, er müsse die Diebe wohl noch bezahlen um sie mitzunehmen. Naja, wir mögen unsere Velos trotz Übergewicht! Jedenfalls kam uns dies sehr entgegen, denn mittlerweile haben sich unsere Winterpläne konkretisiert.

Ein paar Tage machen wir noch einen Roadtrip über die peloponnesische Halbinsel, bevor wir zurück in die Schweiz fliegen. Ja, wir haben uns entschlossen, über die Feiertage einen Überraschungsbesuch bei unseren Freunden und Familie zu machen. Die Überraschung ist gelungen, es hat extrem Spass gemacht ein bisschen Heimat zu riechen.

 Das Theater von Epidaurus

Das Theater von Epidaurus

Nun folgt ein kleiner Unterbruch vom Radfahren bis ca. Ende März. Wir fliegen nach Südostasien und Sri Lanka um nach der kalten Schweiz wieder etwas Sonne und Wärme zu tanken.

Bis bald!

Comment