«Das Blau unserer Seen und das Schneeweiss unserer Winter» - Finnland

Wusstet ihr, dass Finnland auch eine zweite Amtssprache hat, nämlich Schwedisch? Wir eben auch nicht. Umso spannender, da sich die Einwohner beider Länder, soviel wir mitgekriegt haben, nicht wirklich mögen. Schwedisch ist Pflichtfach jedes Schülers und etwa so beliebt wie bei uns Deutschschweizern Französisch oder bei den Welschen Deutsch. Weshalb das in Finnland immer noch so ist mit der Amtssprache hat wohl etwas mit der Geschichte zu tun, denn bis 1809 gehörte Finnland politisch zu Schweden, bevor es bis genau vor 100 Jahren von Russland regiert wurde. Heisst, 2017 wird überall in Finnland die Unabhängigkeit gefeiert.

 An der Grenze zu Finnland

An der Grenze zu Finnland

Mit 5.5 Mio. Einwohner auf 338'000 km2 ist Finnland acht Mal grösser als die Schweiz und entsprechend dünn besiedelt. Davon sind drei Viertel mit Wald bedeckt. Das heisst wir sind in Finnland tagein tagaus durch Wälder gefahren, Fichten, Fichten, Birken, Fichten, Fichten (sag das Mal ganz schnell hintereinander) soweit das Auge reicht. Und da es nicht wirklich Berge gibt, sieht man auch nie drüber, über diese Wälder, ausser man kann einen Turm hochklettern.

 Zur Abwechslung mal Birkenwälder

Zur Abwechslung mal Birkenwälder

Versteht uns nicht falsch. Finnland ist trotz den vielen Bäumen sehr abwechslungsreich. Die Regionen sind sehr unterschiedlich, angefangen bei Lappland im hohen Norden, aber auch die Seenplatte, die Westküste, das Inselarchipel oder die Region rund um Helsinki. Wir haben uns schwergetan, eine Route zu planen in der begrenzten Zeit, die wir in Finnland noch hatten. So hat sich ein Finnland-Hopping ergeben: ein paar Tage in einer Region radeln, dann mit dem ÖV weiter in die nächste.

Wir sind ja schon auf dem Weg «nach oben» ans Nordkapp etwas in Lappland gefahren. Da haben wir erste Erfahrungen mit den Renntieren gemacht. Wir waren ganz aus dem Häuschen als wir die ersten auf der Strasse gesehen haben. Haben alles stehen und liegen lassen, die Kamera gepackt und Fotos geschossen als gäbs kein Morgen mehr. Am selben Abend, als dann eine Renntierfamilie ganz cool beim Campingplatz die Lage abcheckte und eines beim Supermarkt noch so tat, als müsste es noch kurz letzte Einkäufe tätigen für die unvorhergesehenen Gäste, da fiel es uns auf: irgendetwas ist merkwürdig… später wussten wir auch weshalb. Die Tiere sind gar nicht so wild wie wir es uns vorgestellt haben. Sie gehören zu einer Herde und somit auch einem Herdenführer. Traditionellerweise den Sami, dem Ur-Volk Skandinaviens. Die Tiere sind nicht eingezäunt, werden aber einmal pro Jahr wieder eingetrieben, sortiert und die Kälber an den Ohren gekennzeichnet. In Lappland gibt es wohl genauso viele Renntiere wie Einwohner. Kein Wunder, dass man sie an jeder Ecke antrifft und es sie keinen feuchten interessiert, wenn sie gerade die Strasse blockieren.
Soviel über die grossen Tiere. Dann gibt’s noch die kleinen Mückenbiester. Die nerven in Finnland genau so wie in Schweden. Im Eintrag über Schweden haben wir uns schon ausgiebig darüber ausgelassen.

 Das Rentier beim täglichen Einkaufsbummel

Das Rentier beim täglichen Einkaufsbummel

Finnland ist nicht das Land der 1000 Seen, sondern der 187'888 Seen. Einige davon sind so gross, dass die Inseln auf den Seen auch noch eigene Seen haben. Dabei ist der Saimaa See der grösste von allen. Wir sind immer wieder daran vorbeigefahren ohne wirklich zu bemerken, dass es noch ein und derselbe ist. Die Region der Seenplatte ist noch viel spektakulärer dank dem Schloss Olavinlinna, welches im Mittelalter die Schweden vor den Russen schützen sollte.

 Die Burg Olavonlinna

Die Burg Olavonlinna

… und dann gibt’s noch die Inselgruppe Aland mit 6700 Inseln, welche Autonom ist und auf welcher praktisch nur schwedisch gesprochen wird. Genau genommen sind wir uns auf den Inseln viel mehr wie in Schweden als in Finnland vorgekommen. Kein Wunder, dass die Nachbarn aus Schweden besonders gern hier ihren Urlaub verbringen. Und: Aland hat seine eigenen Regeln was die Alkoholbesteuerung angeht. Da profitieren natürlich alle davon…

 Das Kastelholms Slott auf Åland

Das Kastelholms Slott auf Åland

Was uns bei den Finnen so begeistert hat, ist die Verbundenheit mit der Natur. Viele leben abgelegen und nutzen jede Möglichkeit, um raus in die Natur zu gehen. Wir waren überrascht, wie viele Menschen zum Beispiel ihre Freizeit mit Beeren sammeln verbringen. Für den privaten Vorrat, aber auch um einen Nebenverdienst zu machen. Und es gibt reichlich davon: ganze 1000 Kilo Beeren wachsen heran, und das Pro Einwohner! Wer also aufgepasst hat rechnet dies nun Mal 5.5 Mio. Einwohner. Unter den Highlights ganz klar die Blaubeeren, Preiselbeeren und natürlich die Moltebeeren - Cloudberries oder Lakka auf Finnisch. Eine Beere, die es nur im Norden gibt und, da es als Superfood gilt, ein entsprechender Hype daraus gemacht wird. Sie kommt in Sumpfgebieten vor und man sollte demensprechend mit Gummistiefeln und Antimückenkleidern ausgerüstet sein. Jeder Finne hat so seine Geheimspots und gibt diese wohl erst auf dem Sterbebett der nächsten Generation weiter. Wir hatten bei der Suche leider kein Glück, konnten sie aber für teures Geld auf dem Markt kaufen.

 Hmmmmmm, Blaubeeren

Hmmmmmm, Blaubeeren

Apropos Markt. Wir haben uns auch durch andere Köstlichkeiten, die es auf dem Markt gibt, durchprobiert. Sehr merkwürdig aber lecker fanden wir das Fischbrot Kalakukko. Klingt gar nicht so aufregend. Es ist aber nicht nur irgendein mit Fisch belegtes Brötchen, sondern eine Mischung aus Fisch und etwas Speck, die ins Brot eingebacken wird. Auf diese Weise wurde früher der Fisch haltbar gemacht und diente als eine Art Sandwich für unterwegs. Da dies alleine noch nicht nahrhaft genug ist, kommt noch eine ordentliche Menge Butter oben drauf.

 Ade verdrückt das Fischbrot Kalakukko

Ade verdrückt das Fischbrot Kalakukko

Unsere letzte Destination in Finnland soll Helsinki im September sein. Dort treffen wir uns mit den Mädels aus Nidau für ein Wochenende. Sie erzählen uns, was es von zu Hause zu berichten gibt und gleichzeitig erkunden wir die Stadt bei Regenwetter.

 Mit den Nidauer Mädels in Helsinki

Mit den Nidauer Mädels in Helsinki

Das Wetter hat sich seit Ende August ziemlich verschlechtert. Wir hatten viele kalte Regentage. Aber auf den Inseln zeigte sich die Sonne doch nochmals. Die Finnen sind was die Campingsaison angeht eher eigenartig: sobald die Sommerferien Mitte August vorbei sind, stellen sie auf Winter um. Die Museen sind teilweise weniger lang geöffnet, Campingplätze sind entweder ganz geschlossen oder so, dass man sich telefonisch melden muss. Obwohl: es waren noch ziemlich viele (ausländische) Touristen unterwegs. Für uns jedoch war dies das Zeichen, dass wir weiterziehen müssen Richtung Süden, denn: Winter is coming…

Unsere Radreise führt uns weiter durch die Regionen Finnlands: Lappland, Mittelfinnland, das Land der tausend Seen, Turku, das Inselarchipel mit Aland und schliesslich Helsinki