«Where are you from?»
«We are from Switzerland.»
«Oh, Sweden, you’ve come a long way!»

Wer schon mal im Amiland war, kennt diese Konversation nur allzu gut. Wie sind denn diese Schweden mit denen wir dauernd verwechselt werden so? Wir waren fast fünf Wochen da (Mitte Juni bis Juli) um die «Swedes» (ausgesprochen wie Sweets) mal genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Wir geniessen die schöne Natur auf den Nebenstrassen Schwedens

Wir geniessen die schöne Natur auf den Nebenstrassen Schwedens

Wenn wir am Strassenrand anhalten und Leute in der Nähe sind, werden wir oft angesprochen. Selbst wenn man sagt «jag spratar inte svenska» (ich spreche kein Schwedisch), antworten sie manchmal so was wie «dochdoch, klar sprichst du Schwedisch», und sprechen einfach weiter. Dass die ältere Generation teilweise kein Englisch spricht und wir kein Schwedisch, ist dabei egal. Manchmal verstehen wir uns trotzdem und manchmal nicht.

Allgemein scheinen die Leute in Schweden aber eher zurückhaltend zu sein, ähnlich wie auch in der Schweiz. Wenn die Schale erst mal geknackt ist, sind die Leute sehr herzlich und hilfsbereit.

Diese hilfsbereite Schwedin hat uns einen Geheimtipp für einen Camping gegeben

Diese hilfsbereite Schwedin hat uns einen Geheimtipp für einen Camping gegeben

In Schweden gilt das Allermannsrecht, d.h. Wildes Zelten ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Natürlich wollen wir dies auch ausprobieren um unser Budget zu schonen, aber auch weil es manchmal einfach keine Campingplätze hat oder wir nicht von schreienden Goofen geweckt werden wollen.

Einer der Spots, den wir beim wildcampen gefunden haben

Einer der Spots, den wir beim wildcampen gefunden haben

Wir haben, seit wir in Skandinavien sind, nun ein paar Mal wild gezeltet. Ehrlich gesagt klingt das Ganze aber etwas romantischer als es tatsächlich ist: Es ist ja bekannt, dass der Sommer im Norden zwar schön ist, Mücken dies aber genauso gefällt. Und noch schöner finden sie, wenn zwei verschwitzte Radfahrerinnen sie besuchen kommen um ihr Zelt aufzuschlagen. Wenn man die Mücken meiden will, dann muss man irgendwo hin, wo es windet, im Wald also schwierig. Ausserhalb vom Wald ist man entweder im Sumpf, auf Ackerland oder auf privatem Gelände. Die Suche nach dem idealen Zeltplatz kann sich dann locker über 5 bis 10km hinwegziehen, wobei man immer wieder in kleine Strassen biegt um die Lage zu beurteilen. Zudem muss man auch daran denken, genügend Wasser dabeizuhaben, falls es keine Wasserquelle gibt. So ist es auch schon vorgekommen, dass unsere Flaschen fast leer waren, die letzte und nächste Ortschaft zu weit weg. Dann müssen wir Fremde um Hilfe bitten: Adeline klingelt an einer Türe. Wir kriegen nicht nur Wasser, sondern auch spontan eine Einladung zum Übernachten im Garten inkl. Gästeplumpsklo und Abendessen. Es wird ein gemütlicher Abend mit Grilladen (Steak, Renntier- und Wildschweinwürste) und Wein. Daran, dass der Wein aus einem Beutel kommt, müssen wir uns wohl noch gewöhnen.

Spontaner Grillabend bei unseren Spontan-Hosts

Spontaner Grillabend bei unseren Spontan-Hosts

Es war schön, in einem dieser perfekt gepflegten Gärten zu übernachten. Bisher haben wir diese nur beim vorbeiradeln bestaunt und uns gefragt, wie viel Zeit die Bewohner in das Gärtnern investieren. Die Rasenflächen sind immer sauber gemäht, der Briefkasten an der Strasse ist mit Blumen geschmückt und ähnelt einem Kunstwerk. Den Garten zieren dann unterschiedlichste Pflanzen und Blumen.

Top gepflegter Garten mit vielen Blumen

Top gepflegter Garten mit vielen Blumen

Apropos gepflegt: auch auf den Campingplätzen haben wir noch selten solche Küchen und Abwaschtröge angetroffen. Jeder Gast trocknet noch den letzten Wasserspritzer mit einem Tuch ab, so dass alles wieder glänzt für die anderen Gäste. Zudem stehen die Schweden auf Minigolf. Viele Campings haben eine Bahn, jedoch in unterschiedlichstem Zustand.

"Bangolf", der Renner bei den Schweden

"Bangolf", der Renner bei den Schweden

Schweden hat aber auch Seiten, die eher merkwürdig sind. Vor allem wenn es um kulinarisches geht. Klar, hier wird viel Fisch gegessen. Meistens ist der auch extrem lecker. Aber als uns zum ersten Mal von einem Mann aus dem Norden erklärt wurde, dass man dort fermentierten Hering – Surströmming - als Köstlichkeit anbietet, hat es uns schon nur vom Zuhören den Magen umgedreht. Der Fisch wird, nachdem er nach dem Fang für die Gärung in Salzlake eingelegt wurde, in Konserven abgepackt. Wenn man ihn kauft, dann lässt man die Konserve am besten noch für ein paar Wochen im Kühlschrank, bis sich diese wölbt. Wenn man das Ding öffnet, entflieht anscheinend ein dermassen widerlicher Gestank, dass man dies besser nicht in einem geschlossenen Raum versucht. Das Schlimmste soll angeblich wirklich der Geruch sein. Der Geschmack sei ok, obwohl optisch sieht es aus wie eine Schleimsuppe mit langen Fäden. Klar, dass die Nordmänner sich einen Spass daraus machen, dies ausländischen Gästen anzubieten. Wir sind zum Glück nur mit der Erklärung davongekommen. Auf Youtube kann man sich das Ganze auch zu Gemüte führen: https://www.youtube.com/watch?v=_haw_YDC_zo

Auch eine lustige Tradition der Schweden: das Mittsommerfest

Auch eine lustige Tradition der Schweden: das Mittsommerfest

Rückblickend haben wir das Radfahren in Schweden extrem genossen. In den Ortschaften, so klein sie auch sein mögen, hat es Radwege. Und ausserhalb gibt es viele kleine Landstrassen, die verkehrsarm sind. Es ist uns fast immer gelungen, Bundestrassen wie die E4 zu umgehen, auch wenn wir dafür ein paar extra Kilometer fahren mussten. Manchmal hat uns das Navi aber auch auf Wege geschickt, die sogar mit dem Mountain Bike eine ziemliche Herausforderung gewesen wären. So mussten wir auch schon das Rad 8km über Stock und Stein schieben. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, wurden wir gleichzeitig noch von Mücken gefressen.  Bei einer Passage mussten wir sogar das Gepäck abladen und das Fahrrad tragen. Naja, im Nachhinein lacht man dann über diese Geschichten.

Wanderung im Skuleskogen Nationalpark

P.S. im Blogpost über Kopenhagen haben wir noch ein neues Video veröffentlicht (ganz unten)

Comment