Fussball und andere Geschichten

Kaum zu glauben, aber waren wir doch tatsächlich am Tag des Spieles Schweiz – Serbien im Kosovo und in Serbien. Doch fangen wir mal von vorne an.

Serbien und Kosovo sind die letzten Länder auf unserer Ex-Jugoslawien Liste. In den anderen Staaten haben wir viel über den Krieg gehört. Die Serben waren immer die Bösen. Wir fragen uns, wie wohl deren Sicht aussieht; schliesslich gibt es immer zwei Seiten zu betrachten. Bei einer Walking Tour hoffen wir etwas mehr herauszufinden. Zum normalen Stadtrundgang machen wir auch noch eine Tour zum Thema 21. Jahrhundert. Beide Tourguides halten sich aber ziemlich zurück was den Krieg betrifft. Erwähnt wird vor allem die Bombardierung der NATO Ende der 90er Jahre. Was denn genau dazu geführt hat, das Belgrad bombardiert wurde, wird grosszügig weggelassen. Schade! Denn solche Touren sind doch dazu da, den Teilnehmern zu erklären wie denn das ganze aus ihrer Sicht war. Leider wurden wir hier enttäuscht. Auch beim Thema Kosovo erhalten wir die Antwort «I don’t pick  sides», doch an ihren Augen ist deutlich zu sehen, dass nach wie vor ein emotionales Thema ist.

 Auf der Tour durch Belgrad

Auf der Tour durch Belgrad

Im Museum der Geschichte von Jugoslawien suchen wir nach weiteren Antworten. Doch es stellt sich heraus, dass es sich um ein Tito Museum handelt, respektive sein Mausoleum. Jedenfalls im ersten Gebäude. Im zweiten sind Geschenke die er während seiner Herrschaft (und auch noch nach seinem Tod!) erhalten hat. Auch gibt es anscheinend ein Buch, in welches Gäste immer noch Botschaften an Tito reinschreiben können. Wir wissen nach dem Besuch nicht so ganz was wir davon halten sollen. Antworten haben wir immer noch keine, wir wissen lediglich, dass das Museum einen unpassenden Namen hat…

 Im Tito Memorial - Die Stafetten, die ihm jeweils zu seinem Geburtstag überbracht wurden 

Im Tito Memorial - Die Stafetten, die ihm jeweils zu seinem Geburtstag überbracht wurden 

Anstatt nach dem Besuch Mazedoniens weiter Richtung Kosovo zu radeln, sind wir damals nach Bulgarien gefahren. Trotzdem wollen wir den Kosovo nicht auslassen, aber nochmals in den Süden fahren ist uns doch zu weit. Die perfekte Lösung scheint es uns eine geführte Tour zu machen. Bekanntlicherweise ist lange im Voraus planen nicht so unser Ding. Zwei Tage vor dem geplanten Tourdatum einen Anbieter zu finden, stell sich als unmöglich heraus. Glücklicherweise kann uns ein alter Schulfreund von Sandra aushelfen. Sein Cousin und eine Freundin fahren uns durchs ganze Land und zeigen uns die Hauptsehenswürdigkeiten. Als erstes fallen uns natürlich die vielen Schweizer Flaggen auf und dass gebaut wird was das Zeug hält. Wir sind froh, hat es mit dem Ausflug schlussendlich doch noch geklappt. Danke Liri! Und viele Kosovaren drücken uns die Daumen für das Spiel gegen Serbien.

 Gedenkstätte in Prekaz. Mit der Ermordung von Adem Jashari (Mitgründer der paramilitärischen Befreiungsarmee UCK) und seiner Familie durch serbische Streitkräfte begann der Kosovokrieg. 

Gedenkstätte in Prekaz. Mit der Ermordung von Adem Jashari (Mitgründer der paramilitärischen Befreiungsarmee UCK) und seiner Familie durch serbische Streitkräfte begann der Kosovokrieg. 

Zurück in Belgrad verfolgen wir das Spiel in einem Pub. Auch hier sind die Leute von der Doppeladler Geste nicht gerade erfreut. Dass die Schweiz gewonnen hat, nehmen sie aber sportlich. Vom Barmann erhalten wir sogar noch eine Packung Chips zum Sieg. Die nächsten Tage werden wir praktisch immer auf das Spiel angesprochen, sobald klar ist woher wir kommen. Es wird uns sogar zum Sieg gratuliert, aber immer mit dem Hinweis, dass doch der Doppeladler nicht nötig gewesen wäre…

...und zum Schluss noch ein chlyses Videöli