Bevor wir nach Sri Lanka flogen, hatten wir schon viel von der Insel gehört. Es soll sich hier um den ruhigen Nachbarn von Indien handeln, Indien für Anfänger so zu sagen. Also sind wir gespannt was uns hier erwartet. Wir kommen mitten in der Nacht am Flughafen an, aber es hätte genauso gut mitten am Tag sein können. Draussen vor der Ankunftshalle drängen sich hunderte, als gäbe es etwas Spezielles zu sehen. Doch es stellt sich heraus, dass einfach nur viele Flüge mitten in der Nacht ankommen und die Leute auf ihre Liebsten warten. Oder evtl. wollten sie auch nur eine neue Waschmaschine kaufen, dies gibt es nämlich auch direkt am Flughafen.

 Waschmaschine gefällig?

Waschmaschine gefällig?

Ohne Waschmaschine machen wir uns mit dem Taxi auf den Weg zur Unterkunft in Negombo. Colombo soll für Neuankömmlinge viel zu überwältigend sein mit all dem Treiben. In Negombo erwartet uns das heisseste Hotelzimmer seit langem, Klimaanlage hat es keine und durch das Fenster kommt nicht mal ansatzweise eine frische Brise rein. Ans Schlafen ist also nicht zu denken. Als letzten Hoffnungsschimmer reiben wir uns unsere Beine mit Tigerbalm ein und es nützt sogar! Wir kriegen doch noch ein paar Stündchen Schlaf bevor unsere Weiterreise los geht. Von Negombo nach Galle gibt es einen Zug, zwar nicht direkt, aber das mit dem Umsteigen kriegen wir schon hin. Im ersten Zug ergattern wir sogar einen Sitzplatz. Nach dem Umsteigen haben wir weniger Glück. Der Zug ist bereits in Colombo voll bis oben und es steigt keine einzige Person aus. Für uns bedeutet das drei Stunden stehen. Die Fenster sind mit Läden geschützt, dass heisst, das einzige was wir von der Zugfahrt mitbekommen sind die Gesichter der anderen Mitreisenden.

 In einem Zugabteil der zweiten Klasse

In einem Zugabteil der zweiten Klasse

Im Süden, in Unawatuna bleiben wir ein paar Tage, wir wollen nämlich den Padi Open Water Tauchkurs absolvieren. Beim Testtauchgang sehen wir sogar einen Oktopus! Für uns ist klar, der Tauchkurs wird definitiv gebucht. Die paar Tage am selben Ort zu bleiben tun uns gut. Doch wir wollen noch ein bisschen mehr von Sri Lanka sehen. Also leisten wir uns ein Taxi bis zum Yala National Park. Hier sehen wir, gefühlte zwei Minuten nachdem wir im Park ankommen sind, zwei Leoparden. Sehen ist vielleicht etwas übertrieben. Wegen der langen Jeep Kolone können wir nur erahnen wo sich die beiden befinden…

 Im Yala Nationalpark

Im Yala Nationalpark

Von den Teeplantagen in Ella bis nach Kandy nehmen wir nochmals den Zug. Dieses Mal gibt es sogar reservierte Sitzplätze. Nach der letzten Zugfahrt sind wir nicht ganz sicher was wir erwarten können, wir konnten nämlich nur noch Plätze in der dritten Klasse ergattern. Doch wir werden positiv überrascht. Die Sitze sind bequem und es hat haufenweise Platz. Die Sitzplätze werden nämlich immer für die gesamte Strecke gebucht, egal wie lange man schlussendlich im Zug sitzt. Was uns aber doch etwas befremdlich vorkommt ist, dass im Wagen hinter uns immer mehr Locals einsteigen und stehen müssen, obwohl es ja bei uns noch mehr als genug Platz hätte. Die Zugfahrt geht dieses Mal nämlich sieben Stunden und nicht nur drei.

 Teeplantage in Ella

Teeplantage in Ella

Im Allgemeinen können wir bestätigen, dass es hier ein bisschen ruhiger zu und her geht als in Indien, ausser im Strassenverkehr. Holy Moly! Busfahren braucht Nerven aus Stahl, vor allem wenn man vorne sitzt und immer genau sehen kann was ab geht. Die Busfahrer lenken den Bus schon mal in den Gegenverkehr um einen langsameren Verkehrsteilnehmer zu überholen. Auch wenn ein Tuktuk oder ein Auto entgegenkommt, dieses wird dann einfach weggehupt. Naja, wir sind jedes Mal heil angekommen zum Glück, vermissen tun wir die Formel-1-Busfahrten aber nicht.

 Anfangs ist es noch lustig

Anfangs ist es noch lustig

Zeit für einen kurzen Zwischenstopp in Colombo haben wir jetzt doch noch. Zum Glück, denn auch hier gibt es eine Menge zu sehen, vor allem das Stadtleben der Sri-Lanker. Genau das ist nämlich lohnenswert. In der Marktstrasse wird alles Mögliche verkauft, von Stoff, über Hosen zu Sonnenbrillen und Abflussrohren. Dem ganzen Treiben zu zuschauen, war der Zwischenhalt schon wert.

Die letzten beiden Wochen verbringen wir in einem Ayurveda Hotel, ganz entspannt. Nur dass das Hotel unsere Buchung nicht gekriegt hat. Diese Information müssen wir erst mal verdauen. Nicht ganz einfach nach einer wiederholt anstrengenden Zugfahrt und dem ganzen drum herum. Immerhin bieten sie uns an uns ins Schwesternhotel zu verfrachten. Dieses scheint ganz ok zu sein und der Flughafentransfer wird uns wegen der Unannehmlichkeiten auch offeriert, also sagen wir zu.  Das Hotel ist wirklich toll gelegen, nur ist es nicht erlaubt im Meer zu baden wegen der starken Strömung. Aber es gibt einen Shuttleservice an einen Badestrand. Die ersten paar Tage haben wir keine Zeit diesen Service in Anspruch zu nehmen. Am zweit letzten Tag wollen wir es aber doch noch wissen, obwohl das Wetter nicht ganz mitspielt. Also wird für uns ein Tuktuk organisiert, welches uns 40 (!) Minuten an einen anderen Strand fährt, nur damit wir feststellen, dass die Wellen hier fast genau so hoch sind wie bei unserem Strand. Wir gehen trotzdem zum Wasser und werden nach ein paar Wellen schon «gwöschmaschinelet». Also machen wir einen Spaziergang am Strand. Als wir schon fast Trocken sind, fängt es an zu Regnen und zwar so richtig. Wir gehen zurück zum Tuktuk wo uns unser Fahrer erwartet, welcher sich vor lachen fast nicht mehr einkriegt. Wir sehen wohl aus wie begossene Pudel…

 Kleiner Kochkurs im Hotel

Kleiner Kochkurs im Hotel

Eines Mittags kriegen wir eine Konversation vom Nachbartisch mit (es sind abgesehen von uns fast alles Deutsche im Hotel), Whatsapp und Facebook seien blockiert worden, da es in der Region um Kandy Unruhen zwischen Buddhisten und Muslimen gegeben habe. Wir sind erst mal verunsichert, waren wir doch erst gerade vor ein paar Tagen noch dort und haben die friedlichen Menschen beobachtet, wie sie in Massen den Zahntempel besuchten. Das halbe Land steht Kopf und wir sind in unserer Ayurveda-Blase eingeschlossen und kriegen nichts davon mit. Gar nichts. Das ist ein ziemlich seltsames Gefühl. Wir lassen uns massieren währen in anderen Teilen des Landes ganze Quartiere zerstört werden. Ändern können wir leider daran nichts. Doch wir hoffen darauf, dass sich die Situation schnell wieder beruhigt und alles wieder friedlich wird.

Wie immer noch zuletzt ein paar Bildchen und ein Videöli :-)

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