Das kleine Balkan-ABC

A wie Arbeit

Klischees sind lustig, weil meistens etwas Wahres dabei ist. So beobachten wir nicht selten eine schwer arbeitende Person umringt von 4-5 Zuschauern.

B wie Burek

Traditionelles Gebäck aus Blätterteig, mit Fleischfüllung, Spinat oder Frischkäse. Findet man fast in jedem Land der Balkanhalbinsel. Ist super lecker, nur leider nicht die ideale Sportlernahrung.

 Seehr seeehr lecker

Seehr seeehr lecker

C wie Cevapcici (oder Cevapi)

Hackfleischröllchen, welche gerne überall gegessen werden. Natürlich wird dir jeder sagen, dass diejenigen aus seinem Land die besten sind.

D wie Diebe

Wird man oft davor gewarnt, die Wahrscheinlichkeit das etwas gestohlen wird, ist in Barcelona an der Rambla wohl höher.

E wie Einkommen

Mit 250 bis 400 Euro monatliches Durchschnittseinkommen (Angaben ohne Gewähr) kommen viele ohne Unterstützung durch Familie im Ausland nicht über die Runden. Die Lebensmittelpreise beispielsweise sind nicht viel günstiger als in Deutschland, wenn man von frischen Nahrungsmitteln absieht.

F wie Flaaaisch

Am liebsten zu jeder Mahlzeit und so viel wie möglich. Vegetarier? Die haben’s hart…

G wie Gastfreundschaft

Schon peinlich, wie nett und grosszügig wir überall begrüsst wurden. In der Schweiz haben wir wohl Angst zu freundlich zu Fremden zu sein…sie könnten uns ja die Brieftasche klauen.

H wie Hunde

Oft als Streuner, manchmal als Wache anzutreffen. Ersterer ist viel angenehmer wenn auch nicht immer sehr gepflegt.

I wie Intellektuelle

Verlassen Ex-Jugoslawien um im Westen einen besser bezahlten Job und somit auch ein «besseres Leben» anzustreben.

J wie Jugoslawien

Viele Ältere trauern dem ehemaligen sozialistischen Staat nach, der ab 1991 Schritt für Schritt mit einem schrecklichen Kriegen zerfiel.

K wie Korruption

Ist allgegenwärtig. Will man im Krankenhaus in nützlicher Frist behandelt werden, muss man dem Arzt schon mal einen Schein zustecken. Will man die Korruption nicht unterstützen, dann wird die Behandlung eher oberflächlich oder man wartet laaange. Natürlich gilt dieses Vorgehen nur für Einheimische. Sandra als Spitalerprobte wurde jeweils unverzüglich behandelt.

L wie Littering

Schrecklich, schrecklich, schrecklich. Aber wir wollen ja nicht die Müllpolizei spielen. Bei den besser entwickelten Staaten gibt es zwar sogar eine Müllabfuhr. Verbrennungsanlage? Haben wir nie gesehen. Dafür haufenweise Müllberge die von den Lastern irgendwo in der Pampa neben unserer Radstrecke «deponiert» und dann ihrem Schicksal überlassen werden. Immerhin erfreuen sich die Strassenköter daran.

 Solche Bilder sieht man nicht selten. Naja, die Hunde scheinen es zu mögen

Solche Bilder sieht man nicht selten. Naja, die Hunde scheinen es zu mögen

M wie Milošević

Ehemaliger Präsident Serbiens und später Jugoslawiens. Unter seiner Herrschaft wurden tausende von Menschen in Kroatien, Bosnien und im Kosovo verfolgt, gefoltert und getötet.

N wie Nachbarländer

Nicht alle sind mit ihren Nachbarn gut befreundet. Wir wurden auf unserer Reise oft gewarnt. In Griechenland vor den Mazedoniern, in Mazedonien vor den Bulgaren und Kosovaren, im Kosovo vor den Serben und in Rumänien vor sich selbst.

O wie Orthodox

Wer meint, dass die Katholiken klotzen, die sollen sich mal die orthodoxen Kirchen anschauen gehen. Überall wo man hinsieht glänzt es golden. Und wer am nächsten Montag nicht auf die Arbeit mag, kann sich ein paar Bazillen beim Ikonen-Abküss-Ritual gratis abholen.

P wie Patriarchat

Das Bild vieler kleineren Ortschaften wird von Männern dominiert. Sie sitzen auf der Bank vor dem Haus und schauen dem Treiben zu oder in der Kneipe nebenan. Am liebsten oben ohne. Es wird geraucht und Bier oder Rakija getrunken. Die Frauen trifft man höchstens an der Theke, auf dem Markt oder im Dorfladen an. Wir wurden schon ein paar Mal komisch angeschaut, als wir nach einem heissen Tag auf dem Rad ein Bier bestellen wollten. Zum Glück haben wir die Kommentare der Männer nicht verstanden.

R wie Rakija

Selbstgemachter Obstbrand wird zum Zmorge, Zmittag, Znacht und auch Zwischendurch in rohen Mengen getrunken.

S wie Strassenstrich

Aufgefallen ist es uns erst so richtig, als wir mal ein Auto in Bulgarien gemietet haben. Aufgebrezelte Frauen stehen bei einer Überlandstrasse am Strassenrand. Bei der ersten dachten wir noch, dass diese Autostopp macht. Aber dass diese dann gleich noch einen Plastikstuhl nebenan stehen hat und mitten in der Pampa wartet kam uns schon verdächtig vor.

T wie Tito

Wurde während der Jugoslawien-Ära als Präsident gemocht und wird auch noch heute geachtet.

U wie Universell

Kluge Köpfe z.B. aus Kroatien schreiben in ihren CV’s, dass sie fünf Sprachen beherrschen. Dass aber kroatisch, serbisch, montenegrinisch, bosnisch oder mazedonisch mehr oder weniger dieselbe Sprache ist muss ja keiner wissen.

V wie Vorurteil

Nur damit es mal gesagt ist: wir haben uns selten so sicher und herzlich willkommen wie in Osteuropa gefühlt. Also liebe Westler: man kann ruhig mal einen Urlaub in den Osten planen ohne Angst zu haben, noch gleich am Flughafen ausgeraubt zu werden.

W wie Wechselstube

Wenn das selbst erworbene Geld langsam ausgeht, sucht man die nächste Wechselstube auf und wechselt die Euros der Verwandten im Westen gegen die lokale Währung.

X wie Xylophon

Xylophone haben wir keines gesehen.

Y wie Yugo

Kleinauto aus dem ehemaligen Jugoslawien, welches immer noch oft zu sehen ist

 Immer noch sehr beliebt, der gute alte Yugo

Immer noch sehr beliebt, der gute alte Yugo

Z wie Zigeuner

(das R wie Roma war schon besetzt). Vielleicht gibt es im Balkan kein organisiertes Recycling, weil dies von den Roma übernommen wird. Oft sieht man diese den Müll aussortieren. Sie fahren sogar mit Autos und Megafon durch die Städte und rufen z.B. zur Altmetallsammlung auf.